Monat: Juli 2017

Svartisen – Warum sich ein Ausflug zum großen Gletscher unbedingt lohnt

In der letzten Woche haben wir wieder so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Ein absolutes Highlight der vergangenen Tage war aber ganz klar der Svartisen Gletscher. Er liegt am Polarkreis, im Saltfjellet-Svartisen Nationalpark.
An dem Tag stimmte einfach alles: Das Wetter hätte nicht schöner sein können, der Nationalpark an sich ist mit seinen hohen Bergen und dichten Wäldern schon allein einen Besuch wert und schon die Fahrt dahin hat total Spaß gemacht und außer uns war kaum ein anderer auf dieser Straße unterwegs.

Saltfjellet-Svartisen Nationalpark
Der Saltfjellet-Svartisen Nationalpark lohnt sich auch schon ohne den Gletscher.

Wir haben abends auf dem Parkplatz am See campiert und sind am nächsten Morgen gleich mit dem ersten Boot übergesetzt. Nach einer zwanzigminütigen, gemütlichen Bootstour über den See, kamen wir an einem tosenden Wasserfall an. Dann ging es noch ein paar Kilometer zu Fuß durch eine felsige Mondlandschaft, mit Seen und immer wieder tollen Aussichten auf die umliegenden, schneebekrönten Berge, von denen überall Wasserfälle runterliefen. Schließlich kamen wir am Gletscher an und der Anblick hat uns ganz schön von den Socken gehauen. Sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen. Verdammt beeindruckend, so viel Eis. Wir sind dann noch höher und näher ran geklettert und haben dieses Erlebnis voll ausgekostet.

Was wir gesehen haben, war allerdings nur der Austerdalsisen, eine von 60 Gletscherzungen. Der eigentliche Gletscher erstreckt sich über 370 km² und liegt oberhalb auf einem Plateau, auf dem im Winter zehn bis fünfzehn Meter Schnee fallen. Wir sind hier im T-Shirt rumgelaufen und haben uns einen Sonnenbrand geholt. Der gesamte Weg, den wir rauf zum Gletscher gelaufen sind, war noch vor wenigen Jahrzehnten komplett von Eis bedeckt.

Fußweg zum Svartisen
Für den Fußweg zum Gletscher solltet ihr wirklich gutes Schuhwerk anziehen.

Infos

– Die Fähre zum Gletscher fährt von Mitte Juni bis Ende August täglich, von zehn bis sechzehn Uhr zu jeder vollen Stunde; für Erwachsene kostet die Überfahrt 180 NOK, für Kinder 100 und Hunde 30
– Zurück fährt das Boot zu folgenden Zeiten: 12:30, 13:30, 14:30, 15:30, 16:30, 17:45, 18:45 Uhr
– Die Fahrt mit dem Boot dauert etwa zwanzig Minuten, der Fußweg, bis man den Gletscher sieht etwa eine Stunde (3,5 Kilometer)
– Der Weg ist nicht ganz anspruchslos, man sollte gutes Schuhwerk anziehen
– Für norwegische Verhältnisse ist der Weg zum Gletscher einigermaßen gut gekennzeichnet
– Parken kann man direkt am Bootsableger, auf einem Parkplatz. Dieser kostet 70 NOK für eine Übernachtung. Zwischen 20 und 21 Uhr kommt eine freundliche Dame rum und kassiert.
– Anfahrt: Von der E6 35 Kilometer nördlich von Mo i Rana runter, den Schildern folgend, einige Kilometer durch den Nationalpark. 8615 Skonseng ist die offizielle Adresse, aber die meisten Navis finden Svartisen auch als Point of Interest bei Mo i Rana.

Unser Tipp

Fahrt abends hin (vielleicht kommt ihr ja auch zufällig nach neun Uhr an …). Nehmt am Morgen gleich die erste Fähre um zehn Uhr, so seid ihr die ersten am Gletscher und habt noch keine weiteren Touris rumlaufen. Nehmt euch genug Proviant und Wasser mit, denn das ist ein Ausflug von einem halben Tag. Am Gletscher ist es kalt und windig, auf dem Weg dahin brannte die Sonne und als wir auf dem Weg zurück waren, fing es an zu regnen und die Temperaturen fielen. – Zwiebellook ist also angesagt. Feste Schuhe sowieso. Es gibt übrigens keine Toiletten und auch keine Büsche oder Bäume …

Links für mehr Infos und Bilder:
Hurtigruten
Tripadvisor

 

 

 

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Kläglich gescheitert an den „Seven Sisters“

In Sandnessjön wollten wir die Bergkette „Seven Sisters“ besteigen. Oder wenigstens eine der Schwestern. (Nicht zu verwechseln mit den sieben Wasserfällen im Geirangerfjord, die kreativerweise ebenfalls „Seven Sisters“ heißen). Aus früheren Erfahrungen schlauer geworden, haben wir uns genau informiert und den Berg ausgesucht (den Skjaeringen), in dessen Beschreibung stand, dass er der einfachste und der Weg geeignet für Familien mit Kindern sei.

Sven Sisters
Diesen Berg wollten wir erobern.

Zu dem Zeitpunkt hatte es allerdings bereits zwei Tage und Nächste durchgeregnet und die Felsen waren extrem rutschig. Überhaupt wurde der Anstieg sehr schnell sehr steil und auch hier fragten wir uns wieder, wie zur Hölle man da denn mit kleinen Kindern hochkommen soll. Irgendwann mussten wir einsehen, dass es zu gefährlich wurde und dass wir vor allem auch nicht mehr runterkommen würden. Frustriert gaben wir uns geschlagen. Als Grund musste, um unser Ego aufrechtzuhalten, der Hund herhalten. Der das ehrlichgesagt so easy wie eine zweijährige Bergziege gemeistert hat…

Eigentlich habe ich immer nasse Füße, wenn wir irgendwo wandern gehen.

Wir sind stattdessen dann etwas weiter unten am Berg quer gewandert. Wie immer beim Wandern in Norwegen, fanden wir uns auch hier schnell in dichtem Gestrüpp und sumpfig-nassem Moos wieder. Die größte Herausforderung des Tages war die Überquerung eines Flusses. Einige Stunden, vier nasse Füße, eine blutige Nase und ein paar Adrenalinstöße später hatten wir auch dieses Abenteuer gemeistert.

Hilfreiche Links:
nordnorge.com
visitnorway.com
Hurtigruten.com

 

 

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Wandern in Norwegen – Nichts für Weicheier

Wenn man in Norwegen wandern (oder auch nur mal kurz einen Spaziergang machen) will, sollte man einen ausgeprägten Hang zu Indiana Jones-Filmen haben. Mal abgesehen von verdammt guten, frisch imprägnierten Wanderschuhen und Wasserfesten Klamotten. Schweden war ja fast strebermäßig aufgeräumt und tiptop organisiert: An jedem noch so abgelegenen Parkplatz gab es eine Toilette, mit Wasser, Strom und flauschigem Toilettenpapier. Wanderwege sind super ausgebaut und so gut gekennzeichnet (wie beispielsweise im Tyresta Nationalpark), dass man schon ein ziemlicher Trottel sein muss, um sich hier noch zu verlaufen.

Sieh zu, wie du klarkommst

Gutulia Nationalpark
Wege: eine echte Rarität in norwegischen Nationalparks.

Ganz anders dagegen Norwegen. Hier gibt es so unglaublich viele Nationalparks, überall sehenswerte Natur, einfach absolut alles ist schön – da haben die Norweger sich offenbar gedacht: „Wo soll man da anfangen, mit Wanderwegen und Schildern?“ Also haben sie es einfach gelassen und statt dessen an die Nationalparks geschrieben, dass man sich überall frei bewegen und alles machen kann; nur den Müll soll man doch bitte wieder mitnehmen. So einfach kann es sein. Was sich am Anfang für uns noch nach einer offenen, liberalen und menschenvertrauenden Einstellungen anhörte (schließlich darf man in Deutschland nie auch nur einen Schritt vom ausgewiesenen Weg abkommen und überhaupt gibt es Verbote für alles Mögliche), stellte sich schnell als Herausforderung raus.

Manchmal hinterlassen andere Wanderer mehr oder weniger hilfreiche Zeichen.

Eigentlich läuft man andauernd nur Querfeldein; kriecht durch beinezerkratzendes Unterholz, krakselt auf rutschigen, moosbewachsenen Felsen rum und versucht über Flüsse und Bäche zu kommen. Das Einzige, was es überhaupt als Anhaltspunkte gibt, sind schmale Trampelpfade von anderen Wanderern, die sich aber mit hundertprozentiger Sicherheit irgendwann zerlaufen und einen orientierungslos im Wald zurücklassen.

Kinder müssen Extremsportler sein

Übrigens: Steht in der Beschreibung irgendeiner Natursehenswürdigkeit, dass der Anstieg oder der Weg dorthin ein wenig anspruchsvoller ist, dann solltet ihr unbedingt eine Spitzhacke und jahrelange Erfahrung im Steilwandklettern haben. Die untertreiben hier gerne mal. Nachdem wir das rausgefunden haben, halten wir uns immer an die Wege, die ausdrücklich mit „für Familien mit Kindern“ beschrieben wurden und oft schaffen wir diese auch schon nicht. Keine Ahnung, was die hier für Kinder haben, aber die müssen echt krass sein. (siehe unseren Artikel über die „Seven Sisters“)

An Trolle glauben wir inzwischen. Aber dieser Elch ist doch ein Mythos.

Jedenfalls ist Wandern und Bergsteigen hier nie ein Spaziergang und man hat anschließend meistens nasse Füße und eine Menge Kratzer. Aber es macht wahnsinnigen Spaß und ist jedes Mal ein lohnenswertes Abenteuer. Außerdem fndet man – zur richtigen Jahreszeit – am Wegesrand riesige Felder von Mutebeeren und Blaubeeren, mit denen man sich zum Trost den Bauch vollschlagen kann.

Verschwörung des Touristenverbands

Was Norwegen und Schweden eint, ist die gemeinsame Verschwörung der Touristenverbände, die wir meinen aufgedeckt zu haben. Denn beide Länder arbeiten hart an der Aufrechterhaltung eines Mythos. Um Touristen anzuziehen, wurde vor langer Zeit ein Fabelwesen erfunden, welches man „Elch“ nannte.  Um die Geschichte am Leben zu erhalten, werden in beiden Ländern beispielsweise alle hundert Meter angebliche Warnschilder aufgestellt, die die Touristen bei der Stange halten sollen, nach diesem Wesen Ausschau zu halten. Wir haben inzwischen mehr handfeste Beweise für die Existenz von Trollen gefunden, als für diese Elche.

 

 

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Ode an Norwegen – Lasst mich doch einfach hier!

Also Schweden war ja schon wirklich richtig schön, mit den unzähligen Seen, toller Landschaft, den süßen, roten Holzhäuschen und den unglaublich entspannten und freundlichen Menschen. Echt ein tolles Land. Aber dieses Norwegen! Das ist ja noch hundertmal schöner. Ich bin ja ein Kind der Eifel: das Ahrtal, mit den Bergen und Wäldern, da fühl ich mich wohl. Entsprechend bin ich in Norwegen seit dem ersten Tag absolut Zuhause, denn das ist hier Eifel-XXL. Ich habe überhaupt keine Worte dafür, es ist einfach alles wahnsinnig schön und riesengroß. Ich habe schon am zweiten Tag versucht, Uli zu überreden, doch das Jahr einfach hier zu bleiben und uns den Rest von Europa zu sparen, denn den schönsten Platz haben wir ja schon gefunden. Er hat mich allerdings daran erinnert, dass ich Frostbeule im norwegischen Winter keine Woche überleben würde. Da hat er wohl leider recht.

Auch den Norweger an sich habe ich gleich ins Herz geschlossen. Schon deshalb weil er, im Gegensatz zu den ordentlichen und gut sortierten Schweden, einfach auch mal fünf gerade sein lassen kann. Zum Beispiel gibt es in Schweden eigentlich nur eine akzeptierte Farbe für ein Haus und das ist nun mal das Schwedenhäuschen-Weinrot. Die Norweger sind da nicht so festgelegt und mögen es bunt. Rot ist zwar auch hier die dominierende Farbe, aber man pinselt sein Holzhäuschen auch sehr gerne in blau, orange, grün oder weiß an.

Mit der Musikauswahl der norwegischen Radiosender kann ich mich auch total identifizieren. Vor unserer Abfahrt, beim großen Ausmisten, habe ich einige Kartons mit alten, selbstaufgenommenen Kassetten gefunden. Da waren so Schätze bei, wie A-Seite „Metallica Black“, B-Seite „Dirty Dancing-Soundtrack“. Als Teeni für mich offenbar überhaupt kein Problem, diese beiden auf eine Autofahr-Kassette zu spielen, denn schließlich waren ja beide Scheiben echt gut. So in etwa ticken die Norweger auch, wenn ihr versteht was ich meine. Hier wird einfach alles nicht so eng gesehen.

 

 

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Von Schweden nach Norwegen – Keine Elche, viele Rentiere

Ohne auch nur einen Elch gesehen zu haben, sind wir aus dem malerischen Schweden nach Norwegen weitergezogen. Uli war wegen der Elche so untröstlich, dass ich sogar nach Tierparks in der Nähe geschaut habe, aber er meinte traurig, das sei geschummelt und würde nicht gelten. Also leider keine Elche. Noch nicht.

Ausruhen in Karlskoga

See in Karlskoga
Am See in Karlskoga haben wir uns ein bisschen ausgeruht.

Wir waren fünf Tage in Karlskoga. Das kann man auch keinem erklären, denn in dem Ort gibt es nicht viel und er ist auch nicht besonders schön. Wir haben im Industriegebiet, direkt vor Alfred Nobels Waffenfabrik Bolfor gestanden. Entsprechend gab es ein Alfred Nobel-Museum, als einzige Attraktion. Eines von dreien in Skandinavien, um genau zu sein; die anderen beiden sind in Stockholm und in Oslo. Haben wir uns aber auch nicht angesehen. Eigentlich haben wir fast nichts gemacht, außer einmal ein bisschen Sport und auf den See starren.

Wir haben einfach mal ein paar Tage ausgeruht; ich habe viel geschlafen, während Uli an seiner Bräune gearbeitet hat. Offenbar war das mal nötig. Die Ereignisse überschlagen sich und wir haben in den vier Wochen, in denen wir jetzt schon unterwegs sind, so viel Neues gesehen und erlebt, dass wir kaum mit dem Kopf hinterherkommen. Was wir dann aber beide aus Karlskoga mitgenommen haben, ist ein neues Level an Entspanntheit.

Sightseeing in Oslo

Oper Oslo
Vom Dach der Oper in Oslo hat man einen guten Ausblick über die ganze Stadt.

In Norwegen wurden wir gleich am zweiten Tag für die Elch-Misere entschädigt, durch viele stoische Rentiere, denen hier einfach die Straßen gehört. Das war toll!

Von Karlskoga sind wir zunächst nach Oslo reingefahren und haben die erste Nacht am berühmten Holmenkollen verbracht, von wo aus man einen spektakulären Blick über die Stadt hat und ausgiebig den Sonnenuntergang und das anschließende glitzernde Lichtermeer der Stadt genießen kann. Wenn man lange genug wachbleibt. Um Mitternacht ist es hier nämlich noch immer hell und gegen halb vier geht auch schon wieder die Sonne auf. Wir haben es noch nicht einmal geschafft, einen Sternenhimmel zu sehen.

Oper Oslo
An der Osloer Oper scheiden sich die Geister. Wir fanden, es ist ein beeindruckendes Gebäude.

Am nächsten Morgen sind wir dann also ganz früh runter nach Oslo rein und haben uns die Stadt angesehen. Wir hatten allerfeinstes Sommerwetter und sind ein paar Stunden rumflaniert, haben uns den Hafen, die Oper, die Burg und so weiter angesehen – was man halt so gesehen haben muss. Wir sind einfach nicht die größten Stadt-Fans. Die Städte hier oben sind schön und spannend und haben eine Menge zu bieten, aber am Ende sind es eben einfach Städte. In den Bergen, am Wasser und im Wald fühlen wir uns wohler und sind auch sehr viel entspannter.

Also sind wir nach dreieinhalb Stunden schon wieder weitergefahren. Mein alter Schulfreund Thorsten Eckardt hatte auf Facebook von unserer Reise erfahren und da er seit 23 Jahren mit großer Begeisterung Skandinavien bereist, uns netterweise an seinem reichen Wissensschatz teilhaben lassen und eine lange Mail mit einer Menge toller Insidertipps geschrieben. Dankbar für Hinweise auf erlebenswerte Orte abseits der Touristenroute, sind wir dann auch gleich einem Tipp gefolgt und in zwei nebeneinanderliegenden Nationalparks, im Grenzgebiet von Schweden und Norwegen gefahren. Allein die Fahrt dahin war schon wunderschön.

Gutulia und Grövelsjön Nationalpark

Rentier im Gröveljön Nationalpark
Die Rentiere, die wir getroffen haben, scheinen gerade erst ihr Winterfell zu verlieren. Sie sehen alle etwas zersaust aus.

Am Abend haben wir uns einen Rastplatz an einem See gesucht und erstmal was gekocht. Dann waren wir endlich mal im See schwimmen! – Nur ganz kurz, okay, aber immerhin. Anschließend fühlten wir uns so erfrischt und gut drauf, dass wir kurzerhand einfach noch weitergefahren sind. Da es hier so lange hell ist, kann man den Abend ganz anders verplanen als bei uns. Am Abend zu fahren war ganz toll: der Himmel war rot, die meiste Zeit sind wir am Seeufer entlang gefahren, mit Blick auf die Berge und außer uns war kaum jemand auf den Landstraßen unterwegs. Schließlich haben wir einen super Stellplatz, etwas ab der Straße und direkt am See gefunden, rechtzeitig zum Sonnenuntergang.

Die nächsten beiden Tage haben wir dann die Nationalparks Gutulia und Grövelsjön durchwandert, wobei wir immer wieder die Grenze nach Schweden gekreuzt haben. Außer zahlreichen Rentieren, gab es hier unvergessliche Naturerlebnisse für uns.

Vorgestern ging es dann wieder zurück auf die Touri-Route, die E6, Richtung Norden. Etwa 50 Kilometer vor Trondheim haben wir dann auf einem Campingplatz übernachtet und nach vier Tagen ohne Wasseranschluss usw. erstmal aufgetankt. Zwei Duschen, drei Maschinen Wäsche und ein großer Hausputz später, waren wir wieder bereit für die Zivilisation.

Jutulhogget Canyon

Jutulhogget Canyon
Der Jutulhogget Canyon in Alvdalen ist 2,4 Kilometer lang.

Auf dem Weg von den beiden Nationalparks in Richtung Trondheim, haben wir noch einen Schlenker gemacht, um uns den Jutulhogget Canyon anzusehen. Wir wollten ursprünglich nach Roros und uns eine alte Kupfermine anschauen. Auf halbem Weg haben wir uns aber umentschieden, denn den Canyon fanden wir doch attraktiver. Das ist das Tolle, wenn man so frei und ungebunden (um nicht planlos zu sagen) ist! Wir können uns jederzeit spontan anders entscheiden, was wir auch häufig machen.

Trondheim und Steinkjer

Morgens um acht hatten wir die Paradisbukta noch ganz für uns allein.

Gestern Mittag sind wir nach Trondheim reingefahren. Für mich war Trondheim immer ein leicht verklärter Sehnsuchtsort, da ich so viele Bücher gelesen und Filme gesehen habe, deren Geschichten hier spielen. Daher war es etwas surreal, jetzt tatsächlich durch diese rau-verträumte Stadt zu laufen. Am Ende ist aber eben auch Trondheim – so besonders es tatsächlich ist – auch nur eine Stadt und so sind wir auch hier schon nach vier Stunden wieder weitergefahren.

Wir haben dann noch sehr viel mehr Kilometer gemacht, als eigentlich geplant, denn gestern hatten wir zum ersten Mal tatsächlich ein Problem, einen Stellplatz zu finden. Auf den Rat eines anderen Wohnmobilreisenden auf Schlafplatzsuche, haben wir schließlich die „Paradisbukta“ in Steinkjer gefunden, eine kleine hübsche Bucht mit Badestrand (Thanks Magnus! Nice place, by the way!). Hier haben wir die letzte Nacht verbracht und stehen noch immer da, denn die letzten Tage waren doch ganz schön anstrengend und wir müssen erstmal wieder durchatmen.

 

 

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Der König und sein Gefolge – Wenn Hunde reisen

In den vierzehn Jahren, die Pepito und ich jetzt schon zusammen leben, habe ich ihn glaub ich nie glücklicher und entspannter gesehen. Er scheint es endlos zu genießen, gemütlich lange Strecken gefahren zu werden, auf Campingplätzen in der Sonne zu schlafen, durch die Natur zu schlendern und neue Städte zu seinem Revier zu machen. Er ist den ganzen Tag mit uns zusammen und bekommt so viel Aufmerksamkeit wie selten zuvor.

Unglücklicher Hund
Die Momente, in denen auch dieser Sonnenschein untröstlich unglücklich ist.

Das Einzige, was er echt gar nicht cool findet, ist die Sache mit dem Fahrradanhänger. So unkompliziert er bisher mit allem anderen war (Aufzug, Rolltreppe, Boot, …), so sehr stellt er sich jetzt an, wenn er mit dem Anänger rumkutschiert wird. Ein Geschrei und Gezeter ist das, als würden wir ihm sonstwas antun. Wenn Uli hinter mir fährt und Pepito ununterbrochen was vom Würstchenparadies erzählt, geht es streckenweise; aber auch nie lange. Das macht gar keinen Spaß – keinem von uns. Da müssen wir wohl nochmal mit sehr vielen Würstchen arbeiten.

Aber Pepito liebt den Uli – das liegt sicher am Bart.

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Wandern im Tyresta Nationalpark

Wandern in Tyresta – Warum dieser Nationalpark unbedingt einen Besuch wert ist!

Nur 20 Kilometer vom Stockholmer Stadtzentrum entfernt liegt der 2000 Hektar große Tyresta Nationalpark. Hier haben wir zwei Tage verbracht und waren bei allerschönstem Wetter viel wandern. Was man hier vor allem sieht, ist Farn, alte knorrige Bäume und zerklüfteter Felsboden. In den Spalten der riesigen Steine wächst eine Vielzahl an Pflanzen. Es gibt mehrere große und kleinere Seen in Tyresta und es riecht nach in der Sonne getrockneten Fichtennadeln und reichhaltigem Boden.

Wandern im Tyresta Nationalpark
Darf ich vorstellen: meine persönliche Entertainment-Crew.

Neben dem hauptsächlich vorkommenden Fichtenwald gibt es aber auch Sumpf- und Moorgebiete, in denen die Bäume weiß und die Seen ohne Nährstoffe sind und wie tot wirken. Es sieht ein bisschen so aus wie bei „Herrn der Ringe“ und man erwartet fast, dass aus dem Wasser eine Hand hochschnellt und nach einem greift. Überhaupt ist der Park sehr abwechslungsreich in seiner Vegetation und seinem Erscheinungsbild. Man kommt durch diese grünen, fruchtbaren Waldgebiete, an blauen Seen die in der Sonne glitzern vorbei, um sich dann plötzlich in einer sehr kargen, trostlosen Szenerie wiederzufinden, wo es keinen Schatten und sehr viel Steinboden gibt.

1999 gab es in Tyresta ein großes Feuer, das westlich des Stensjön-Sees fast alle Bäume vernichtet hat. Inzwischen sind neue, junge Bäume nachgewachsen, doch auch die verbrannten stehen größtenteils noch. Eine sehr seltsame aber beeindruckende Szenerie, die offenbar viele Touristen anlockt.

Seit 1993 ist Tyresta offiziell ein geschützter Nationalpark, um diesen urzeitlichen Wald zu erhalten. Die abgerundeten Formen der Felsen entstanden vor 600 Millionen Jahren durch die Abnutzung von Wind und Wasser. Manche der großen Kiefern hier sind über 400 Jahre alt, was darauf hinweist, dass das Gebiet sehr lange unberührt geblieben ist. In einem Wald der so alt ist, wachsen die verschiedensten Baum- und Pflanzenarten dicht beieinander und es leben auch die unterschiedlichsten Tiere hier zusammen.

Unsere Route

Wandern im Tyresta Nationalpark
Ein Chamäleon am Ende der Leine.

Am ersten Tag waren wir nur zwei Stunden im Park unterwegs, weil wir erst abends angekommen sind. Wir haben einen der gut ausgebauten Rundwege genommen, die mit einem Familiensymbol gekennzeichnet sind, also kinderwagenfreundlich. Es gibt aber auch abenteuerlichere Routen, wie wir dann am nächsten Tag rausgefunden haben.

Unseren Bus haben wir auf dem Parkplatz am Haupteingang abgestellt. Hier ist gleich das alte kleine Dorf Tyresta, wo es Einkehrmöglichkeiten, Toiletten und Infomaterial gibt.

Es gibt verschiedene Rund- und Wanderwege; unter anderem geht hier auch ein Wanderweg (Sörmlandsleden) durch, der 1000 Kilometer durch Schweden führt. Daher kommen einem hier auch Langstreckenwanderer mit viel Gepäck entgegen.

Map Tyresta Natinalpark
Ein Blick auf die Karte genügt schon. So viele Wege gibt es nicht und sie sind sehr gut ausgezeichnet.

Wir haben uns für unseren Tagestripp eine eigene Route zusammengebaut, die wir euch empfehlen können. Gestartet sind wir in Tyresta auf dem Sörmlandsleden Richtung Arsjön-See. Hier kommt man erst an dem kleineren See Bylsjön vorbei  und dann läuft man eine Weile am Ufer des langgestreckten Arsjön-Sees entlang. Am Ende des Arsjön gabeln sich die Wege und wir sind Richtung Stenjön-See gewandert. Von hier sind wir dann wieder den Schildern nach Tyresta gefolgt. Die Wege sind alle sehr gut gekennzeichnet, so dass man sich leicht zurechtfindet. Der große Sörmlandsleden ist durch ein orangefarbenes Band ausgezeichnet und der Weg nach Stensjön und zurück nach Tyresta durch ein rotes Dreieck.

Mit dem Kinderwagen kommt man hier sicher nicht mehr durch, das ist größtenteils doch eher ein Adventuretrail, was aber sehr viel Spaß gemacht hat. Wir sind um elf gestartet und waren um sechs wieder zurück am Bus. Insgesamt sind wir 14 Kilometer gelaufen, haben aber längere Pausen an den wunderschönen Seen gemacht.

Tyresta Nationalpark
Man braucht nicht viel, um zufrieden zu sein.

Unser Tipp

Ein Ausflug nach Tyresta lohnt sich auf jeden Fall! Wenn ihr mal in Stockholm seid, macht doch einen Tagesausflug hierhin. Am besten fahrt ihr auf die Südwestseite des Parks, nach Tyresta selbst, um von hier zu starten. Es gibt noch andere Eingänge und Parkplätze, aber hier kann man sehr gut stehen und hat auch sanitäre Anlagen gleich daneben und WLAN. Wir wünschen euch viel Spaß beim Wandern in dieser fantastischen, urzeitlichen Landschaft!

Weitere Infos und Adresse:

Tyresta Nationalpark
Stiftelsen Tyrestaskogen
Tyresta by
136 59 VENDELSÖ

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Bad Wohnmobil

„Hau ab, du stinkst!“ – Ohne Wasser geht gar nichts

Wasser ist ein großes Thema beim Campen. Man braucht es zum Trinken, zum Kochen, zum Zähneputzen, zum Waschen, Putzen, Duschen. Ständig. Auf einem Campingplatz ist natürlich alles ganz komfortabel, geradezu luxuriös. Man kann seine Wäsche waschen und gönnt sich täglich eine heiße Dusche. Jedenfalls manche von uns. Und wir können uns beide um unsere Körperbehaarung kümmern. Zu viel intime Information? – Fragt mich mal … .

Ganz anders ist es aber, wenn man frei irgendwo steht. Bisher hatten wir echt großes Glück mit unseren freien Stellplätzen. Alle waren schön gelegen, ruhig, sicher und hatten eine Toilette in der Nähe. Am abenteuerlichsten war unser Parkplatz in Kopenhagen. Hier standen wir direkt neben einer riesigen Sportanlage, gleich neben Christiania. Wir hatten allerdings schnell raus, dass hier offenbar niemand Sport macht und keiner das Vereinsheim mit seinen sanitären Anlagen nutzt. Also habe ich mich reingeschlichen und in der offenen Männerdusche geduscht. Als ich zurückkam – sichtlich glücklich, eine heiße Dusche nach mehreren Tagen Regen und kalten Füßen ergattert zu haben –, und nicht erwischt worden war, hat sich auch Uli reingewagt.

Ansonsten stinken wir eben ein bisschen. Aber für rudimentäre Schwerpunkt-Katzenwäsche reicht unser Wasser in der Regel immer aus. Die romantische Vorstellung, hier einfach in einen See zu springen und sich da zu waschen, haben wir ob der Temperaturen hier oben und da wir beide echte Warmduscher sind, vorerst begraben.

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

„Ist das dein T-Shirt oder meins? Ach, egal.“ – Zusammenleben auf vier Quadratmetern

Wenn wir unsere Spotify-Playlisten hören weiß ich inzwischen nicht mehr, ob das meine Liste ist oder Ulis, die wir einfach schon so oft gehört haben, dass ich denke es sind meine Songs. Wir haben fünf Zahnbürsten an Bord, kein Mensch weiß wieso und wem die eigentlich gehören. Am Ende werden wir vermutlich wie bei „How I met your mother“ rausfinden, dass wir ein Jahr lang dieselbe Zahnbürste benutzt haben.

Wir leben auf vier Quadratmetern, teilen ein Bett, ein Bad, unsere T-Shirts, Nahrung und vermutlich auch eine Zahnbürste. Uli schnarcht, ich rede im Schlaf. BHs, nasse Socken und stinkende Sportklamotten hängen überall zum Trocknen rum. Das ist sehr viel plötzliche Intimität und nach jahrelangem Alleinewohnen schon eine Umstellung. Aber bisher macht es uns noch nichts aus.

 

 

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Abgeschleppt in Tranas

Nach vier Tagen im heimeligen Tranas wollten wir schließlich weiter Richtung Stockholm. Große Verabschiedung von unseren lieben Nachbarn (Grüße an Sybille und Wolfgang?), zur Abwasserstation, alles fertig gemacht und dann … sprang der Wagen nicht mehr an. Wir konnten das Problem nicht finden und auch die zahlreichen Mitcamper nicht, die alle mal vorbeikamen um ihre Hilfe anzubieten und nach fachmännischem „hmmmm“ und „tja“ zu dem Schluss kamen, wir sollten den ADAC rufen.

Das haben wir dann auch probiert und schon nach etwas über zwei Stunden in der Warteschleife konnten wir mit einem echten Menschen sprechen. So bekamen wir dann auch noch was vom G20-Gipfel mit, denn offenbar war der ADAC mit Hamburg schwer ausgelastet.

Weitere zwei Stunden Warten an der Abwasserstation und schon kam ein sehr netter Schwede mit Abschleppwagen vorbei. Der war unheimlich entspannt und sehr sympathisch, hatte aber auch keinen blassen Schimmer, was das Problem sein könnte und hat uns schließlich zu einer Werkstatt abgeschleppt. Der Chef war auch kurz da, obwohl Samstag war, hat mal einen Blick unter die Motorhaube geworfen und dann entschieden, wir müssten bis Montag warten. Nicht auf dem Werkstattgelände, denn das wurde ja abgesperrt. Also wurden wir daneben geparkt.

Auf einem malerischen Brachland inmitten eines kleinen Industriegebiets sollten wir also jetzt unser Wochenende verbringen. Da wir ja Zeit haben und genug Vorräte und Wasser an Bord, hat es uns eigentlich nicht groß gejuckt. Aber Uli hat der Ehrgeiz gepackt und nach einer Weile der Suche und des Googlens, hat er eine defekte Sicherung ausgemacht, ersetzt und siehe da: der Bus sprang wieder an. Inzwischen war es aber zu spät zum Weiterfahren und so sind wir über Nacht geblieben und haben der absurden Szene, mit Vollmond über einem Brachfeld mit Wildblumen und illegal entsorgtem Industrieschrott, bei einem Glas Rotwein noch was Gemütliches abringen können!

 

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.