Familienauszeit intensiv – Warum ihr mit euren Kindern auf Reisen gehen solltet

Träume sind Schäume? Von wegen! Wie der Traum vom Ausstieg mit Kindern wahrwerden kann, haben wir für euch rausgefunden.

Wenn sich das Alltagskarussell unaufhörlich immer schneller dreht und die Familienzeit wieder einmal hintenanstehen musste, kommt für viele Eltern irgendwann der alles entscheidende Weckruf: Das Leben ist dazu da, um in vollen Zügen gelebt und genossen zu werden, und die kostbare, unwiederbringliche Zeit der Kindheit vergeht viel schneller als man glaubt. Die Entscheidung, mit der Familie auf Reisen zu gehen und für eine Zeit auszusteigen, ist also ein klares Ja für die Freiheit und ein Nein zum alltäglichen Hamsterrad. Viele nutzen für ihren Ausstieg auf Zeit die Elternzeit oder ein Sabbatical, andere brechen radikal alle Zelte ab und werden zu dauerhaften Weltenbummlern. Doch anders als bei ungebundenen Reisenden, die beim Weltentdecken nur für sich selbst verantwortlich sind, gibt es für Familien mit Kindern einiges zu beachten, damit das Reisen mit Kind nicht zum Stressfaktor wird. Schließlich will man genau das nicht mehr!

Wie plant man eine Reise mit Kind?

Mit verbundenen Augen auf die Weltkarte tippen und ein Reiseziel aussuchen, Wanderrucksack packen, das Wohnmobil volltanken und los – das ist wohl kein realistisches Szenario, wenn man mit Kindern verreisen will. Verpflichtungen wie Kita und Schule, kostspielige Mitgliedschaften in Sport- oder Musikvereinen und wichtige Kinderarzttermine lassen sich nicht von heute auf morgen wegzaubern. Wenn euch die üblichen zwei bis drei Wochen Urlaubszeit mit euren Kindern nicht mehr reichen, solltet ihr eure Langzeitreise mit großzügiger Vorlaufzeit planen. Viele Familien, die den Schritt gewagt haben, empfehlen dafür ungefähr ein Jahr. Eine gute Hilfe kann eine individuelle, detaillierte Checkliste sein, die euch dabei hilft, alles im Überblick zu behalten. Hier ein paar wesentliche Punkte:

Eure Checkliste

  • Ohne Moos nix los: Bevor ihr in die Welt hinausstürmt, müsst ihr im Vorfeld „die Sache mit dem Job“ klären und eure finanziellen Möglichkeiten abstecken. Denn nicht zuletzt danach richtet sich auch, wie lange ihr reisen könnt, es sei denn, ihr plant von der Hand in den Mund zu leben und seid einfallsreiche Lebenskünstler.
  • Familienreisen sind keine One-Man-Show: Besprecht als Familie eure Wünsche und Vorstellungen in Bezug auf die Reise, fragt die Kinder, was sie von euren Reiseplänen halten und regelt eventuelle Verpflichtungen wie die Pflege eurer Eltern oder die Versorgung eines Haustiers. Viele Reisende nehmen ihre Vierbeiner einfach mit, insbesondere dann, wenn sie mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Vielleicht müsst ihr euch auch ein dickes Fell zulegen, denn oft kommen verständnislose und vorwurfsvolle Stimmen von nahestehenden Menschen, die sich dieses Abenteuer aus Angst nicht zutrauen würden. Seid nachsichtig und haltet trotzdem an euren Plänen fest und als Familie noch mehr zusammen. Die Grenzen anderer sind nicht eure!
  • Bürokratie und Dokumente (nervig, aber notwendig): Kitaplatzabmeldung, rechtzeitige Schulanmeldung für Vorschüler, Genehmigung für Schulfreistellung einholen, den eigenen sowie den Impfstatus eurer Kinder überprüfen/vervollständigen lassen, U-Untersuchungen mit dem Kinderarzt absprechen, Reiseapotheke zusammenstellen, Auslandskrankenversicherung abschließen (wichtig!), Reisepässe besorgen und über formale Einreisebestimmungen (Visa, Einreise bei Schwangerschaft) informieren, eine eventuelle Abmeldung eures Wohnsitzes in Deutschland regeln/Behördenkorrespondenz.
  • Realitätscheck Reiseroute: Informiert euch über mögliche Kosten auf der Reiseroute (Beispiel: Zwischen Malaysia und Neuseeland liegen große Unterschiede in den Lebenshaltungskosten), plant grob wie lange ihr euch wo aufhalten möchtet, bucht rechtzeitig Unterkunftsmöglichkeiten und Flüge, recherchiert, was vor Ort gebucht werden kann, überprüft euer Sicherheitsbedürfnis und die Gegebenheiten in puncto Politik, Krankheiten und medizinischer Versorgung.

Gibt es ein ideales Reisealter für Kinder?

Auf Reisen lernen kleine Weltentdecker ganz andere Dinge als zu Hause.

In welchem Alter ihr das Projekt Langzeitreisen mit Kind in Angriff nehmen solltet, lässt sich pauschal nicht beantworten. Viele Eltern machen die Erfahrung, dass das Reisen mit Babys und Kleinkindern am einfachsten ist. Einerseits, weil es um ein Vielfaches günstiger ist – beispielweise aufgrund von kostenlosen Flügen, Plätzen in Unterkünften und freien Eintritten – andererseits, weil die Stimmung der Kleinen oft von eurer eigenen inneren Haltung abhängt. Seid ihr ruhig und entspannt, sind es auch eure Kinder, denn in einem so jungen Alter sind die Bedürfnisse noch sehr überschaubar und auf das Wesentliche beschränkt. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, dass ihr mit euren ganz Kleinen zeitlich flexibel seid und keine Freistellungsgenehmigung von der Schule braucht.

Das Reisen mit älteren Kindern hat wiederum unzählige andere Vorteile. Ihr erlebt als Familie eine unglaubliche Zeit, stärkt eure Bindung und schafft Erinnerungen, von denen ihr euer ganzes Leben lang zehren könnt. Viele langzeitreisende Kinder lernen weltoffen sowie in besonderem Maße neugierig zu sein und können sich leichter auf neue Situationen und Menschen einstellen. Ein großer Pluspunkt ist auch, dass sie beim Reisen neue Sprachen lernen und Geschichte hautnah anstatt nur aus Schulbüchern erleben können. Langzeitreisen bietet gerade älteren Kindern sowohl Zeit als auch die Möglichkeit, sich viele praktische Fähigkeiten anzueignen, die ihnen zu Hause beim häufigen Konsum digitaler Medien vielleicht entgangen wären.

Reisen mit schulpflichtigen Kindern? Aber ja!

Wie man über Monate oder auch über Jahre mit schulpflichtigen Kindern verreisen kann, ist für viele Eltern der ultimative Knackpunkt. Denn in Deutschland gibt es, anders als in anderen Ländern, die gesetzlich felsenfest verankerte Schulpflicht und Verstöße können ernste Folgen nach sich ziehen: von hohen Bußgeldern bis zum Entzug des Sorgerechts. Klingt gar nicht so witzig? Ist es auch nicht, deshalb hat die Regelung dieser Frage bei eurer Planung, neben dem Finanziellen, auch oberste Priorität.

Im Grunde habt ihr genau zwei Möglichkeiten, wie ihr eure Langzeitreise mit schulpflichtigen Kindern realisieren könnt: Ihr beantragt die Genehmigung für die Freistellung vom Unterricht für eine festgelegte Dauer und klärt mit der Schule ab, wie ihr eure Kinder während der Reise unterrichten könnt (z. B. durch Homeschooling) oder ihr meldet euren Wohnsitz aus Deutschland ab. Denn wenn der Wohnsitz der Kinder nicht mehr in Deutschland ist, entfällt auch die Schulpflicht. Bei dieser Variante müsst ihr bedenken, dass ihr auch das Kindergeld verliert und nicht mehr in Deutschland gesetzlich krankenversichert seid. Dafür könnt ihr ungebunden und ohne zeitliche Begrenzung reisen (beachten müsst ihr dennoch die Schulregelungen in anderen Ländern, falls ihr dort euren neuen Wohnsitz anmeldet).

Was kostet die (Familienreise um die) Welt?

Wie viel Budget ihr für eure Langzeitreise mit Kindern einplanen müsst, ist absolut individuell und hängt von vielen Faktoren ab. Mit welchen Transportmitteln werdet ihr reisen? Welche Länder stehen auf dem Plan eurer Reiseroute? Länder wie Neuseeland und Australien werden sehr intensiv am Budget rütteln. Wo werdet ihr wohnen und übernachten? Wie lange und in welcher Saison werdet ihr reisen? Und nicht zuletzt: Wie soll eure Verpflegung und Freizeitgestaltung aussehen? Ausgefallener geht es immer, günstiger aber sicher auch. Hier muss jede Familie selbst entscheiden, worauf es ihr wirklich ankommt, an welchen Ecken man bereit ist, zu sparen und an welchen auf gar keinen Fall. Einige Erfahrungen, was eine Weltreise kostet, könnt ihr euch hier anschauen.

In jedem Fall schenkt euch das Reisen wertvolle Zeit als Familie und stellt euch vor neue, spannende Herausforderungen, wodurch ihr über euch hinaus und als Familie zusammenwachsen werdet. Sie wird euch nachhaltig prägen und den Blick eurer Kinder für die Schönheit und Vielfalt unserer Welt sowie die Menschen, die sie bewohnen, weiten. Wenn es um das Reisen mit Kindern geht, lautet die Devise: „Unbedingt machen!“ Denn diese Erfahrungen sind von unschätzbarem Wert.

Über die Autorin

Alena Löffelholz

Alena ist Studentin der Germanistik und Italianistik, freiberufliche Texterin, schon immer von Kopf bis Fuß wortverliebt und geht selten ohne ein inspirierendes Buch aus dem Haus. Absolute Glücklichmacher: Gute Gespräche bei einer gemütlichen Tasse Tee und Kerzenschein, Klippenwanderungen in Irland und herbstliche Waldspaziergänge.

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Über den WNJ Verlag

Wir sind ein junger Verlag, der sich insbesondere das Thema Reiseabenteuer auf die Fahne geschrieben hat. Unseren Verlag haben wir auf einer 13-monatigen Reise mit dem Wohnmobil durch Europa an einem Strand auf Sizilien gegründet und die ersten Bücher von unterwegs aus veröffentlicht. 
Inzwischen haben wir 13 Bücher rund um die Themen Reisen, Auszeit und ortsunabhängiges Arbeiten herausgebracht.

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