Monat: November 2017

Tyresta Nationalpark

Was wir aus den ersten Monaten auf Reisen an Erkenntnisgewinn mitnehmen

Nein, wir sind jetzt nicht plötzlich weise geworden… Noch nicht. Aber wir haben mal die letzten Monate für uns resümiert und daraus doch ein paar Erkenntnisse gezogen:

  1. Man muss nicht alles gesehen haben und alles mitnehmen. Bringt nichts, denn irgendwann kannst du die Dinge nicht mehr aufnehmen und genießen. Weniger ist auch hier mehr.
  2. Städte stressen uns, wir sind lieber in der Natur. Also wird nicht mehr jede bekannte Stadt eines Landes mitgenommen und auch nicht mehr zwangsläufig die Hauptstadt. Um eher ein Gefühl für die Menschen und das Land zu bekommen, machen kleinere Städte häufig sowieso mehr Sinn.
  3. Es macht keinen großen Spaß, immer sklavisch alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern, die Millionen anderer Touris auch schon „abgehakt“ haben. Diese Pilgerei wird bald langweilig und fühlt sich irgendwie künstlich, nicht authentisch an. Spannender ist es, sich einfach treiben zu lassen, einen Ort selbst zu erkunden und neu für sich zu entdecken, so als wäre noch keiner vorher auf die Idee gekommen.
  4. Ruhephasen sind ganz wichtig. Die ersten Wochen in Griechenland wollten wir nichts sehen, keine Tipps für Ausflugsziele oder spektakuläre Sehenswürdigkeiten bekommen. Alles, was wir wollten, war unsere Ruhe. Von Strand zu Strand haben wir uns Richtung Süden gearbeitet, gaaanz langsam. Je abgelegener und einsamer, desto besser. Hier haben wir wirklich mal einfach Urlaub gemacht – bis auf die Sache mit den Souvenirs, dem Essengehen und den Aktivitäten. Sogar an Olympia sind wir einfach vorbeigefahren (ja klar, wir holen das natürlich noch nach). Das war aber einfach ganz arg nötig, um alles, was wir gesehen und erlebt hatten, mal sacken zu lassen und zu verarbeiten. Jetzt sind wir langsam wieder aufnahmebereit und neugierig auf das wunderschöne Land um uns rum.
  5. Das meiste, was wir an Klamotten mitgenommen haben, war überflüssig.

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Beachlife

Besser haushalten – Reisen ist nicht gleich Urlaub

In jedem Telefonat das wir mit unseren Müttern führen, kommt unweigerlich irgendwann die Frage nach dem Geld. „Habt ihr denn auch Aufträge?“, „Reicht das Geld noch?“ – „Ja Mama, das Geld reicht noch“, beruhigen wir dann. Warum reicht das Geld auch nach über vier Monaten Reisen noch? Eben deshalb: Wir reisen, wir machen keinen Urlaub.

Zwei Wochen Urlaub verbringt man anders

Katziki Beach
Beim Strandurlaub die Seele baumeln lassen.

Klassischerweise fahren die Leute etwa zwei mal zwei Wochen im Jahr in den Urlaub. Auf diese Zeit fiebert man lange hin, plant alles ganz genau und informiert sich ausgiebig über das Urlaubsland. Schließlich will man ja keine Zeit verlieren, durch nervige Unterkunftsuche oder unnötig lange Zwischenaufenthalte an Flughäfen. Und verpassen möchte man erst recht nichts, also sollte idealerweise schon vorher klar sein, welche Sehenswürdigkeiten ein sogenanntes „Muss“ sind und welche Aktivitäten am Urlaubsziel zur Auswahl stehen.

Vor Ort, will man es sich natürlich so richtig gut gehen lassen. Da die Zeit sehr begrenzt ist, muss man sich mit dem Gutgehenlassen aber nun mal beeilen und da kommt es auf ein paar Euro mehr oder weniger nicht an. Wasserski, Tauchkurs, ein Kurztrip zur nächsten Insel, Schirmchendrinks am Strand und jeden Abend auf der Promenade Essen gehen. Dabei so viele Souvenirs wie möglich kaufen, denn die schöne Zeit, der malerisch sonnige Wohlfühlort und das Gefühl, frei und unbeschwert durch den Tag schlendern zu können, wollen wir uns ja möglichst lange bewahren und auch in den Alltag rüber retten.

Nach zwei Wochen ist der Zauber dann vorbei und man sieht der Realität ins Auge, dass man doch nicht alles stehen und liegen lassen wird, um einfach da zu bleiben. Also geht es braungebrannt und mit einem Koffer voll Andenken zurück nach Hause. Am Ende hat man also meist relativ viel Geld in wenig Zeit ausgegeben, weil man ja versucht, das Maximum an Erleben aus den paar Wochen rauszuholen.

Reisen ist ein Marathon, kein Sprint

Beim Reisen läuft das anders. Während Urlaubmachen quasi ein Sprint ist, ist Reisen ein Marathon. Der Zeitraum ist größer und entsprechend muss man mehr haushalten – sowohl mit dem was rausgeht, als auch mit dem was reinkommt.

Natürlich steht an erster Stelle des Haushaltens das Geld, denn wenn das futsch ist, ist die Reise zu Ende und man braucht sich über nichts weiter Gedanken machen. Ebenso ist es aber auch sehr wichtig, mit seinen Kräften hauszuhalten, denn die sind auch nicht unendlich vorhanden, auch wenn alles so aufregend, neu und elektrisierend ist.

Irgendwann schaltet der Kopf ab und macht die Luken dicht

Nicht zu unterschätzen ist aber auch die Flut von neuen Eindrücken und Erlebnissen, die auf einen einprasseln und was das mit einem macht. Das will ja auch alles verarbeitet und begriffen werden, aber irgendwann kommt der Kopf nicht mehr mit und es kommt der Punkt, wo einfach nichts mehr reingeht und jede Stadt, jede Sehenswürdigkeit nicht mehr wirklich aufgenommen und gewürdigt werden kann, sondern schließlich nur noch zur Qual und Pflichtveranstaltung wird. Das ist in etwa so, wie ein Besuch im Louvre. Endlich ist man tatsächlich da und saugt wie ein Schwamm ganz begeistert alles, alles in sich auf. Kommt man dann aber nach vier Stunden bei den ägyptischen Sarkophagen vorbei, ist man so übervoll, dass einem dieser faszinierende Kulturschatz herzlich egal ist. Trotzdem hört man ja an der Stelle nicht auf, denn wann hat man schon wieder die Gelegenheit das zu sehen? Einen Mehrwert bringt das allerdings nicht mehr, es geht nur noch um das „Dagewesensein“.

Reisen will also, wie so vieles andere auch, gelernt sein. Einen eigenen Rhythmus finden, die eigenen Grenzen erkennen und berücksichtigen, das sind Dinge, die wir in den letzten Monaten auf jeden Fall erstmal lernen mussten.

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Parga

Wie eine Postkarte – Das malerische Hafenstädtchen Parga

Nach unserem, etwas längeren, Aufenthalt auf dem Campingplatz Sofas bei Perdika, war unser erstes Ziel auf der Weiterreise, das malerische Hafenörtchen Parga. Einen schöneren „ersten“ Eindruck hätte Griechenland uns nicht bereiten können.

Wunderliche Tiere auf der Straße

Schildkröte
Faszinierende Begegnung: eine große Schildkröte auf der Straße.

Schon auf dem Weg in die Stadt trafen wir auf eine faszinierende Überraschung: eine große Schildkröte mitten auf der Straße. Fast hätten wir sie überfahren und als wir ausstiegen, um sie von der Straße zu tragen – damit nicht das nächste Auto dann vollendet, was wir gerade noch verhindern konnten – waren wir mehr als erstaunt darüber, dass es hier so große Schildkröten gibt und vor allem, dass sie einfach so auf der Straße rumlaufen. Wir haben im Laufe der Reise ja schon so einige Tiere auf der Straße angetroffen, denen wir ausweichen oder darauf warten mussten, dass sie irgendwann mal wieder Lust bekommen, weiter zu gehen, aber eine Schildkröte war neu für uns.

Als würde man durch eine Postkarte laufen

Parga hat uns dann augenblicklich verzaubert. Der 3000 Einwohner kleine Ort an der Westküste Griechenlands, ist umsäumt von hohen Bergen und schmiegt sich in eine kleine Bucht am Meer. Die engen Gassen mit den bunten venezianischen Häusern, geben einem das Gefühl vom perfekten Urlaubsparadies. Vom Hafen aus blickt man über türkisfarbenes Wasser zu einer nahe gelegenen Insel, auf der eine weiß getünchte Kapelle steht. Überhaupt ist hier jeder Blick wie eine einzige Postkarte.

Parga
Der Blick auf die kleine Insel mit der weißen Kapelle ist sicher ein beliebtes Postkartenmotiv.

Charmantes Sommerparadies

Die Hauptsehenswürdigkeit ist die, oberhalb der Stadt thronende, Ruine einer venezianischen Festung. Große Teile der Anlage sind noch gut erhalten und von hier oben hat man einen prima Ausblick über die Stadt und die angrenzenden Strände.
In Parga selbst gibt es nur einen kleinen Stadtstrand, der sich gleich an die Hafenpromenade anschließt. In unmittelbarer Nähe der Stadt befinden sich aber einige weitere Strände, die größer sind. Diese Lage, die liebevoll gepflegte alte Architektur, die zahlreichen kleinen Läden und nicht zuletzt die lauschige Uferpromenade, mit Restaurants und Cafés machen Parga zu einem wahnsinnig charmanten Sommerparadies.

Da wir ja das Glück haben, im Herbst noch mit wunderbar warmem und sonnigem Wetter beschert zu werden, konnten wir in Parga einen herrlichen Sommertag in der Nachsaison, und somit ohne viele weitere Touristen genießen. Perfekt!

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.

Voidokiliabucht

Aus der Zeit gefallen – Wie die Jahreszeiten für uns an Bedeutung verloren

Seit fast zwei Wochen sind wir jetzt in unserer „Hacienda Voidokilia“ auf dem Peleponnes. Das Haus ist einfach wunderschön und mit so viel Liebe und nützlichen Details eingerichtet, dass es uns an nichts fehlt und wir uns sehr schnell wie zuhause gefühlt haben. Der unglaubliche Ausblick auf die Voidokiliabucht, mit einem der – laut New York Times – zehn schönsten Strände DER WELT, hilft auch beim Eingewöhnen. Die Bucht ist für ihr Vogelschutzgebiet und somit für eine große Artenvielfalt bekannt und wir können hier tatsächlich Flamingos beobachten!

Sonnenbrand im November

Was wir allerdings gerade nur sehr schwer auf die Reihe bekommen, sind die Jahreszeiten. Im Supermarkt gibt es Lebkuchen und im Fernsehen laufen nur noch Werbeclips in Schneekulisse. Während dessen sitzen wir in T-Shirt und Shorts auf der Terrasse und holen uns einen Sonnenbrand auf der Nase.

Dafür hatten wir im Juli und August im hohen Norden schon Tage, wo wir uns lange Unterwäsche unter die Wandersachen angezogen haben und nur mit Mütze und Schal vor die Tür gegangen sind. Ein paarmal hatten wir sogar schon die Heizung an im Wohnmobil. Wir hatten also schon Herbst und holen gerade rückwirkend den Sommer nach – und da solls gleich Weihnachten sein? Da kann man schonmal etwas durcheinander kommen.

Olivenernte
Gerät, um die Oliven von abgetrennten Ästen zu holen.

Olivenernte ist echte Knochenarbeit

Um uns rum findet zur Zeit die Olivenernte statt. Seit einer Woche begleitet uns also bereits das Geräusch von Motorsägen durch den gesamten Tag. Überall auf dem Berg, auf dem unser Haus liegt und in den Tälern auf die wir schauen, ertönen die Sägen. Die Äste der Olivenbäume werden teilweise abgesägt und in ein Gerät gesteckt, dass dann die Oliven von den Ästen zupft. Anschließend werden die Äste verbrannt, weshalb überall im Tal Qualm aufsteigt. Die übrigen Äste am Baum werden mit einer Harke „gekämmt“ um die Oliven runterzuholen, die dann auf Netze fallen, die unter den Bäumen ausgelegt werden. Spannend! Und eine richtig mühsame Knochenarbeit, wie man uns bestätigt hat. So sieht’s auch aus.

Unser kleines Büro
Unsere kleine Büroecke im Wintergarten.

Seit heute werden auch die Oliven auf unserem Grundstück geerntet und ich komme mir schwer faul vor, wenn ich mich mit meinem Kaffee und einem Buch auf die Terrasse setze.

Dabei arbeiten wir auch! – Gut, dass ist natürlich nicht zu vergleichen mit der Plackerei um uns rum. Aber wir haben uns hier eine Büroecke eingerichtet (im Wintergarten, mit herrlichem Ausblick versteht sich) und werkeln fleißig an unseren Ideen.

Über die Autorin

Ramona Pingel

Ramona ist Co-Verlegerin des WNJ-Verlags und arbeitet außerdem als Freie Lektorin. Vor ihrer gemeinsamen Reise mit Uli lebte sie im beliebtesten Viertel Kölns, hatte einen guten Job in einem großen Verlagshaus und genoss das Leben in der Großstadt. Doch nach der Reise kam das alles nicht mehr infrage. Sie wollte unabhängig sein und näher an der Natur. Heute leben Uli und sie, zusammen mit Hund Spencer, in einem Häuschen in der Vulkaneifel, direkt am Waldrand. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten mit Gärtnern, Yoga und Wandern.